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Die Süsswasserfische des Karl von Meidinger

Thomas Sterba

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Rezension

In unserer Zeit, in der Bedeutung und Wert des wissenschaftlichen Bildes immer mehr in Vergessenheit zu geraten drohen, in der die objektbezogene biologische Forschung zunehmend auf dem Altar der systemischen Modellierung in möglichst globalem Maßstab geopfert wird, kommt Thomas Sterbas Werk daher wie eine wohltuende Brise an einem stickigen, schwülen Hochsommertag. Dass er für seine Betrachtungen die Süßwasserfische des Karl von Meidinger als Ausgangspunkt wählt, freut einen Wiener Ichthyologen natürlich besonders, ist der Name Meidinger doch mit den Anfängen der Ichthyologie in Wien verbunden, zu einer Zeit, als Fische in den frühen k. & k. „Naturalien Cabinetten“ noch keine große Rolle spielten. Aber abseits dieser chauvinistischen Überlegungen hat Meidinger es verdient, mit seinem Oeuvre in eine Reihe mit den großen Namen der frühen Fischkundler, ihrer Werke und Abbildungen gestellt zu werden. Thomas Sterba tut das in brillanter Art und Weise. 

Das Buch bietet zunächst in straffer Form einen sehr guten Überblick über die Geschichte der ichthyologischen Illustration, Anmerkungen zur Entwicklung der Systematik der Fische sowie die Biographie und das Schaffen Karl von Meidingers, unter besonderer Berücksichtigung der „Icones Piscium Austriae“. Eine hilfreiche Anleitung zur Nutzung des Buchs leitet zum Hauptteil des Werks über, der Behandlung der einzelnen Arten.

Jede in Meidingers Werk enthaltene Art wird zunächst auf Basis des heutigen Wissensstands präsentiert: Nomenklatur, Systematik, differentialdiagnostische Merkmale, äußere Morphologie, Habitatansprüche, Verbreitung und Gefährdungsgrad werden abgehandelt und vorgestellt – begleitet von einer Fotografie in hervorragender Qualität, was in Fischbüchern leider nicht selbstverständlich ist. Auf einer Doppelseite wird anschließend Meidingers Abbildung jeder Art dem entsprechenden Bild aus Blochs „Naturgeschichte der Fische Deutschlands“ gegenübergestellt, verglichen und kommentiert. Was sich diesem Vergleich anschließt, ist mit „Historischer Überblick“ übertitelt – eine absolute Untertreibung! Tatsächlich erwartet den Leser eine Kunstgeschichte der Abbildungen der behandelten Art in Verbindung mit der zugehörigen Wissenschaftsgeschichte. Ein Feuerwerk an klug, spannend und lesbar zusammengestellter Information, die das Who‘s who der Ichthyologie vor den Augen des Lesers paradieren lässt und den Bogen über vier Jahrhunderte wissenschaftlicher Abbildung spannt.

Und so folgt, ausgehend von unserem vertrauten Zander bis zum abschließenden Flussneunauge, eine Art der anderen, über 550 Seiten geballtes Wissen aus Jahrhunderten, begleitet von faszinierenden Bildern. Abgeschlossen wird das Werk von sehr hilfreichen Registern, besonders der Personenindex kann Leser animieren, sich quer durch das umfangreiche Buch an die Fersen eines Conrad Gessner oder Johann Jakob Heckel zu heften. Aber Achtung: Sie werden dabei sehr wahrscheinlich die Zeit vergessen!

Fazit: Ein ausgezeichnetes Buch, das nicht verbergen kann, wieviel Arbeit in ihm steckt, das seinen Umfang mit jeder Seite rechtfertigt. Hier ist die Bezeichnung „Werk“ wirklich angebracht. Es gehört natürlich in alle einschlägigen Bibliotheken, es ist jedem, der sich für Fische interessiert, dringend ans Herz zu legen. Gleiches gilt für alle bibliophilen Leser, dieses Werk ist per se eine Bereicherung für jede Bibliothek. Wenn der Leser noch Interesse an der Geschichte der Wissenschaftlichen Abbildung hat, umso mehr. Keine Angst vor irgendwelchem Fachkauderwelsch! Fachwissen ist für die genussvolle Lektüre nicht erforderlich, Thomas Sterba erzählt, beschreibt und schildert in absolut lesbarer Form, informierend, aber nie belehrend.

Eigentlich sind die Süßwasserfische des Karl von Meidinger auch als Coffee Table Book eine wahre Zierde, zumal die Front des Einbands Meidingers Abbildungen von Flussbarsch und Frauennerfling in haptischer Prägung zeigt. Wahrlich ein schönes Buch! Die Frage ist, ob ihr Coffee Table das stolze Gewicht des Werks trägt. Wenn nicht, lohnt sich unbedingt der Kauf eines stabileren Möbels zum Buch!

 

Dr. Ernst Mikschi

Naturhistorisches Museum Wien

 

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