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Reden wir über Heuschrecken

Frank Mau

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„Wir müssen denjenigen Unternehmern, die die Zukunftsfähigkeit ihrer Unternehmen und die Interessen ihrer Arbeitnehmer im Blick haben, helfen gegen die verantwortungslosen Heuschreckenschwärme, die im Vierteljahrestakt Erfolg messen, Substanz absaugen und Unternehmen kaputtgehen lassen, wenn sie sie abgefressen haben. Kapitalismus ist keine Sache aus dem Museum, sondern brandaktuell.“ (Franz Müntefering 2004)

Die Heuschrecken-Metapher des damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering ist nicht zuletzt durch die Lehman-Pleite und die Griechenlandkrise in aller Munde. Die Aktualität und Dramatik der anhaltenden Finanzkrise veranlasste den Münchener Philosophen Frank Mau zu einer „Ehrenrettung der Heuschrecke“, deren Verhalten nichts mit den „Nullen und Blasen, dem Schaum und der Verpuffung“ der Finanzinvestoren zu tun hat.

„Abgesehen von Ihrer Geschmacklosigkeit, Menschen mit Insekten gleichzusetzen, läuft das gezeichnete Bild vom Financier als Heuschrecke in jeder Hinsicht ins Leere, ja Absurde!“, lässt Mau den Königlichen Zensors Pierr’aul Scarron du Charron in einem fingierten Brief anno 1671 an den Fabeldichter Jean de la Fontaine aufgebracht ausrufen. Wussten Sie schon, dass sich die Financiers als wahre Idealisten erweisen, während Heuschrecken Materialisten sind?

Im Weiteren lässt der Autor den Mathematiker Galileo Galilei (1564–1642) und den Ökonom Hyman P. Minsky (1919–1996) am Rande des Finanzlochs in einen bissig-amüsanten Dialog treten. Den Berliner Wissenschaftstheoretiker Holm Tetens fragt er, ob die Ökonomie noch zu retten sei. Schließlich erläutert Armin Geus in einem Nachwort, dass der Vergleich des Menschen mit Tieren uralt ist. Wir erfahren, dass auch Deutschland in der Vergangenheit wiederholt von Heuschreckenschwärmen heimgesucht wurde − freilich ohne die Banken zu befallen. So beleuchtet die vielseitige Textsammlung auf hintergründig-ironische Weise die Themen der Weltfinanzkrise.

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