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Ein Genetik-Professor in der DDR

Rudolf Hagemann

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Rudolf Hagemann wirft einen Blick auf sein Leben. Geboren am 31.Oktober 1931 in Aue im Erzgebirge (Sachsen), lässt er uns teilhaben an seiner Kindheit, er stellt seine Großeltern und Eltern vor, die ihn auf vielfältige Weise geprägt haben. Er erzählt von seiner Schulzeit, den politischen Veränderungen und den damit im Zusammenhang stehenden persönlichen Auswirkungen auf ihn und seine Familie.

Wir erfahren, dass er durch seinen Vater, Bücher für sich entdeckte, und durch das Lesen zur Genetik und Evolution fand. Er geht auf die Zeit ein, als der Lyssenkoismus, der "im diametralen Gegensatz zu den gesicherten Ergebnissen der internationalen genetischen Forschung stand", in der DDR Einzug gehalten hat. Wir lernen seine Mentoren, Lehrer, Professoren kennen, die ihn in seinen Studien förderten und forderten.

Seine genetischen Forschungsarbeiten über Paramutationen brachten ihn auf den verschiedenen internationalen Tagungen, sei es in Japan oder während eines Aufenthaltes in England mit vielen renommierten Genetikern zusammen. Hagemann beschreibt seine genetische Forschungsarbeit an Tomaten, Pelargonium und Antirrhinum.

Der zweite Teil des Buches beinhaltet den Aufbau des Genetischen Instituts an der Martin-Luther-Universität in Halle. Hagemann berichtet über den Alltag an der Universität, die Zusammenarbeit mit Studenten und Kollegen, den fortlaufenden Forschungsarbeiten, den internationalen Kontakten und Kongressen.

Rezension

Rudolf Hagemann wirft einen Blick auf sein Leben. Er wurde vor 80 Jahren in Aue im Erzgebirge als Sohn eines linkslastigen Lehrer-Ehepaars geboren. Aue war zu DDR-Zeiten Zentrum der "Wismut", mit seinen sich über das Erzgebirge bis nach Thüringen erstreckenden Pechblendevorkommen, die gegen Mensch und Natur ausgebeutet wurden. Es war auch von Mai bis Juni 1945 Zentrum des einzigen unbesetzten Gebiets Deutschlands, der Republik Schwarzenberg, bis es dem Arbeiter- und Bauernstaat eingegliedert wurde. Die Leute haben sich geschickt, und auch in dem Autor steckt ein Stückchen (akademisierter) Schweijk, nur leider kein Jaroslav Hasek. Sein Humor ist unfrei, seine reaktive Egozentrik ermüdend, seine Prosa ledern, wie so vieles aus dieser leidgeprüften Ecke, die das bewundernde Mitgefühl dadurch unbillig vernutzt.

Dafür ist aber Professor Hagemann ein ausgezeichneter und standfester (erster naturwissenschaftlicher) Genetiker der Universität Halle (und der DDR-Akademie überhaupt) geworden, mit einer großen Schar akademischer Kinder und Kindeskinder. Er beschreibt mit nostalgischer Behäbigkeit die umwegige Aufbau- und gezielte Arbeitsweise in seinem geistig offen gehaltenen und gütig schützend geleiteten Institut, die ihn auch nahe an die "springenden Gene" gebracht hat. Mit besonderer Detailfreude des mit Neugier ins Abenteuer Losgelassenen schreibt er über seine Kongress- und Konferenzbesuche und die daraus entstandenen Bekanntschaften, vor allem mit angelsächsischen Kollegen.

Auch die Stasi-Atmosphäre wird, wenn auch gemütvoll und überwunden, situationsnah geschildert. Wenn der erasmische Leser auch gern auf solche Pointen verzichtet, wird er doch an wissenschaftlichen Knotenstellen schärfere Konturierungen vermissen. Diese liebenswerte Darstellung aus der Lehnstuhlperspektive eines gerecht Justierten enthält unter vielen persönlichen Details so manches, das atmosphärisch im Gedächtnis bleibt: wieder eine von den Nostalgie-gezähmten Autobiografien der "Aufbaugeneration", von denen der Leser glücklich entgangenen Gewinn ziehen kann. (Lothar Jaenicke in Biosprektrum 01.13./19. Jahrgang)

 

Rudolf Hagemann feierte 2011 in körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag. Von 1967 bis 1994 war er Professor für Genetik an der Martin-Luther-Universität in Halle an der Saale. Mit diesem Jahr bricht seine Autobiographie zwar ab; jedoch ist angefügt ein 1999 im "Laborjournal" erschiener Aufsatz der früheren Mitarbeiterin Sylvia Pieplow "Wie war's in der DDR? Eine exemplarische Beschreibung von Ausbildung und Forschung am Hallenser Institut für Genetik". Unter der Leitung von Hagemann wurden (laut der Liste auf S. 242) 54 Promotionen und 8 Habilitationen abgeschlossen; 11 der früheren Doktoranden sind heute Professoren. Solche Biographien gab es in Deutschland sicher zig-tausende. Seine Bedeutung erhält das Buch aber dann durch das persönliche Erleben und Widerstreben des Verfassers gegen den Lyssenkoismus in der Vererbungslehre und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft, siehe Die Intelligenz und ihre Feinde: Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft.

Als 1948 die von Stalin geförderte Lyssenko-Welle voll über die Ostblockstaaten rollt, ist Hagemann 17 Jahre alt. Dennoch kam er durch das Studium der ihm damals bereits zugänglichen Fachliteratur bald zu der Einsicht, dass es sich bei Lyssenko um ideologiegetriebenen Schwindel handelt. Wie das genau vor sich ging, warum und auf der Grundlage welcher Beobachtungen und Publikationen, das findet der Rezensent richtig spannend. Ich bin 13 Jahre jünger, hatte aber noch mit den Nachwehen zu kämpfen, mit den Spätfolgen sowieso und den immerwährenden Hintergründen zeitlebens. Noch 1961 lehrte mein Biologielehrer, der zugleich Schuldirektor war, uns im 11. Schuljahr Mitschurin und Lyssenko. Am Ende der Stunde meldete ich mich und sagte: "Sie wissen genau, daß das, was sie uns erzählt haben, nicht stimmt und auch, warum es nicht stimmt." Der Mann bekam einen roten Kopf und erwiderte nichts. Der Vorfall blieb für mich ohne Folgen. – Jetzt lese ich bei Hagemann, daß Georg Klaus 1963 in der Wochenzeitung "Sonntag" einen Artikel veröffentlicht hat über: "Ungehobene Schätze. Erkenntnistheoretische Gesichtspunkte zur sogenannten Begabtenheorie." Der Artikel markiert zweifellos einen Wendepunkt im geistigen Innenleben der DDR. Dennoch war er mir die 45 Jahre, die ich mich nun mit der Thematik befasse, bisher unbekannt geblieben! (Volkmar Weiss, Kundenrezension bei Amazon)

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