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Mit Messzirkel und Schrotflinte

Natalie Janine Chaoui

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Natalie Chaoui wertet unterschiedliche Quellen aus, darunter publizierte Aufsätze und Monographien, Manuskripte, Handnotizen und rund dreihundert Briefe, um im zweiten Schritt eine Analyse des komplexen Netzwerkes der Zürcher Primatologie vorzunehmen.

Einen besonderen Stellenwert nimmt die Erforschung des Werkes von Adolph Hans Schultz ein, einer der Schlüsselfiguren der amerikanischen Anthropologie und Primatologie sowie Begründer der Primatologie in Zürich. Dabei wird das wissenschaftliche Lebenswerk von Schultz als Fallstudie einer historischen Analyse unterzogen, um die Rolle von Forschungsschulen aufzuzeigen.

Rezension

Im Mittelpunkt der Dissertation von Natalie Janine Chaoui steht die Züricher Schule für physische Anthropologie und mit ihr Adolph Hans Schultz (1891–1976), einer der Wegbereiter der modernen Primatologie. Das Buch ist allerdings kein Ersatz für die längst fällige Biografie des in Stuttgart geborenen, in Zürich aufgewachsenen und vor allem in den USA tätigen Wissenschaftlers. Vielmehr nutzt die Autorin die Korrespondenz von Schultz, um das Beziehungsgeflecht der Züricher Forschungsschule zu rekonstruieren. Die Vertreter jener typologisch-morphometrischen Arbeitsmethode unterstützen sich gegenseitig. Ihr Einfluss reichte von der Vergabe von Stiftungsmitteln bis zur Besetzung von Lehrstühlen. Die Schule wirkte forschungsstabilisierend, am Ende verzögerte sie sogar den Fortschritt der Anthropologie.

Neben ihrer wissenschaftspolitischen Analyse liefert die Autorin einen interessanten Einblick in die Zeit, als Biologen noch mit der Flinte ins Feld gingen. Der "Affendealer von Baltimore“, wie Schultz in der Presse genannt wurde, sammelte allein auf seiner zweiten Nicaragua-Expedition Schädel, Föten und Formalinpräparate von knapp 200 Individuen. Mit der Asiatic Primate Expedition (A.P.E.) von 1937 beschreibt die Autorin den Höhepunkt und das Ende dieser Sammlungstätigkeit. Im Rahmen der A.P.E. gelang C.R.Carpenter die erste systematische Feldstudie an Gibbons, die zu den frühesten Verhaltensbeobachtungen an frei lebenden Primaten zählt. (Mathias Orgeldinger, Biologie Unserer Zeit, 2/2006)

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